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Datum: 14.01.2021

»Schatten über Armaleth«

Thorsten Uebe-Emden nutzt die rote Telefonzelle als Werbefläche für sein Musical

„Heute mach‘ ich meine Träume wahr“, singt D’Artagnan in dem Lied „Heut ist der Tag“ aus Thorsten Uebe-Emdens Lieblingsmusical „Die drei Musketiere“. Dieser Song scheint Uebe-Emden inspiriert zu haben, hat er doch mit viel Ausdauer, Begeisterung und Leidenschaft seinen eigenen Traum verwirklicht: Im Laufe von mehr als 10 Jahren ist – zunächst in seinem Kopf, inzwischen auch auf CD – ein Musical entstanden, bei dem statt Andrew Lloyd Webber der Name Thorsten Uebe-Emden im Copyright steht. Neben einer spannenden Handlung, ausgefeilten Charakteren und abwechslungsreichen Songs hat der Altenseelbacher auch maßgeblichen Anteil am Arrangement und den Kompositionen.

Als Werbeplattform für „Schatten über Armaleth“ hat Uebe-Emden die rote Telefonzelle am Neunkirchener Rathausplatz gewählt. Sie ist mit Requisiten und Fotografien ausgestattet – sogar den Trailer zum Musical können sich die Passanten ansehen. Nicht zuletzt ist dort auch die CD ausgestellt, die 18 abwechslungsreiche Lieder enthält und unter https://armaleth.de erworben werden kann.

Die Liebe zur Musik wurde Uebe-Emden in die Wiege gelegt. Mit acht Jahren bekam er seine erste Trompete und heuerte im Elkenrother Musikverein an. Als das Musical „Starlight Express“ im Sommer 1988 nach Deutschland kam, ging der Hype auch an Uebe-Emden nicht vorbei. Insbesondere die Arrangements faszinierten den Jungen. „Später haben wir das Stück dann auch im Musikunterricht behandelt“ erinnert sich der 42-Jährige. Dass eine CD mit Musical-Highlights schon früh Bestandteil seiner Plattensammlung und ein Besuch im eigens erbauten Starlight Express Theater in Bochum – allerdings erst einige Jahre später – sein erster Musicalbesuch war, versteht sich fast von selbst.

Bevor die Idee reifte, ein eigenes Musical auf die Beine zu stellen, spielte Uebe-Emden im Kreisjugendblasorchester, lernte Gitarre und zupfte später den E-Bass in der Alternative-Rock-Band „Levitate“. 2003 gab der Groß- und Außenhandelskaufmann sein Debüt bei Musical!Kultur Daaden. Hinter den Kulissen von „Dracula“ lernte er seine spätere Frau Nadine kennen. Sie sang außerdem die Hauptrollen in Musicals wie „Sophies Welt“ oder „Jekyll und Hyde“ und leitete als künstlerische Gesamtleiterin die Promotion-Gruppe des Vereins.

Vor rund zehn Jahren begannen die ersten Songs durch Thorsten Uebe-Emdens Kopf zu geistern. Die Idee, ein eigenes Musical zu entwickeln, manifestierte sich – und wurde dank der Unterstützung seiner Frau über die Jahre zu einem Familienprojekt. Die Uebe-Emdens haben das, was man für die Umsetzung eines solchen Projekts benötigt: einen langen Atem, Herzblut, Leidenschaft, Fantasie und das, was man im Volksmund als positive Verrücktheit bezeichnet. Ihnen ging es nicht nur darum eine packende Geschichte zu entwickeln und auszufeilen, sondern auch darum, sie in eine musikalische Form zu packen, mit dem Ziel ein wirklich gutes Stück Unterhaltung zu schaffen.

Im Mittelpunkt ihrer Fantasy-Story stehen Prinz Rhys von Armaleth, Elena, die Tochter des Statthalters und Sari, eine geheimnisvolle Fremde. Die abenteuerliche Liebesgeschichte mutet an wie ein Märchen aus 1001 Nacht verwoben mit einer Geschichte des „Herr der Ringe“-Autors J.R.R. Tolkien. Bis zum Finale büßt „Schatten über Armaleth“ nichts an Dramatik und Unterhaltungswert ein. Die 18 Tracks, die auf CD gepresst wurden, hat Uebe-Emden auf dem Keyboard am PC komponiert. Vom romantischen Duett in „Strandgeflüster“ über das rockige „Schattenwelt“ bis hin zu opulenten Chorgesängen reicht das Spektrum der Lieder. Mit Liarach entwickelte das Paar sogar eigens eine Kunstsprache, ähnlich dem Elbisch oder Klingonisch.

Für Uebe-Emdens war es damit aber nicht getan: Ein Musical gehört nicht ins stille Kämmerlein, es gehört auf die Bühne. Um es der Öffentlichkeit präsentieren zu können, muss es optisch und akustisch Gestalt annehmen: Nachdem ein Logo gestaltet und Darsteller für das Foto-Shooting des 32-Seitigen Booklets und des Trailers schnell gefunden waren, kam die nächste große Herausforderung: die Besetzung der neun Hauptrollen. Im Bekanntenkreis und über die sozialen Medien machten sich das Ehepaar auf die Suche nach Sänger*innen, die für möglichst kleines Geld bereit waren, an dem außergewöhnlichen Projekt mitzuwirken. In Corona-Zeiten ein schwieriges Unterfangen...

Doch die Resonanz auf den virtuellen Aufruf war enorm: Das Paar erhielt rund 80 Bewerbungen von ambitionierten Hobby-, aber auch Profi-Sängern aus dem gesamten Bundesgebiet. Das Casting wurde 2019 im Siegener Lyz durchgeführt. Mit Marc Lemler und Carolin Sander konnten sogar zwei Neunkirchener ins Musical-Boot geholt werden. Während der gesamten Probenphase stand Thorsten Uebe-Emden in engem Austausch mit den Solisten und überarbeitete und optimierte die Stücke. „Wir haben als Team agiert und dabei alle viel gelernt“, berichtet der Altenseelbacher.

Er selbst ist in Sachen Musikgeschmack breit aufgestellt. Neben Musicalsongs haben es auch einige Lieder von Singer-Songwritern und Rockbands in seine persönliche Hitliste geschafft. Das Duett von Karak und Liberio: „Wissen schafft Magie“ ist der Lieblingstrack seines eigenen Musicals. „Die Songs waren in unserem Alltagsleben allgegenwärtig. Allein, um sie weiter zu perfektionieren haben wir sie wieder und wieder gehört.“ Bei Sohn Tristan stand „Nach dem Alphabet“ hoch im Kurs. „Bei jeder Autofahrt wurde es gewünscht, so dass selbst ich es eine Zeitlang nicht mehr hören konnte“, gibt Uebe-Emden augenzwinkernd zu.

Inzwischen sind alle Songs im Studio eingesungen, das Booklet gestaltet, der Internet-Auftritt optimiert und die Figuren des fiktiven Armaleth zum Leben erweckt worden. Ein über viele Jahre gehegter Traum, der die Uebe-Emdens viel Zeit, Energie und den ein oder anderen Euro gekostet hat, präsentiert sich in Form der CD „Schatten über Armaleth“. Sie ist über den Shop auf der Homepage https://armaleth.de zu erwerben. Die modern und übersichtlich gestaltete Internetseite gibt außerdem Einblick in die Probenarbeiten, bringt Songbeispiele und viele interessante Hintergrundinfos.

Noch bewegender als der CD-Release im Dezember des vergangenen Jahres war für die Uebe-Emdens die Interpretation einiger Songs durch professionelle Musical-Darsteller*innen. „Als die selbst komponierten Lieder im Rahmen der „schreib:maschine“ auf der Volksbühne am Rudolfplatz in Köln zu sehen und zu hören waren, das war ein sehr ergreifender Moment“, gerät der Urheber ins Schwärmen. Und in genau diese Richtung träumt Thorsten Uebe-Emden weiter: „Das gesamte Musical einmal auf der Bühne erleben zu dürfen, wäre zweifellos das Allergrößte.“ Mit der CD im Gepäck geht das Musikerehepaar derzeit auf Ensembles zu und hofft, dass die Begeisterung für „Schatten über Armaleth“ überspringt. Die Corona-Situation verzögert den Prozess allerdings. „Viele Ensembles mussten ihre Aufführungen im letzten Jahr verschieben. Bis unser Stück auf die Bühne kommt, wird es wohl noch ein wenig dauern“, vermutet Uebe-Emden. Doch, wie heißt es am Ende des eingangs erwähnten Musketier-Songs? „Heut ist für Angst und für Zweifel kein Raum. Ich halt meine Wünsche nicht länger im Zaum“. Wer ein komplettes und komplexes Musical auf die Beine stellen kann, der ist bestimmt auch imstande Menschen zu mobilisieren, die es optisch und akustisch zum Leben erwecken.

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