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Datum: 22.09.2022

Ein Tete-à-Tete im Otto-Reiffenrath-Haus

Ganz festlich, wie für eine Verabredung vorbereitet, wartete die Bühne auf Heikko Deutschmann und Mike Altwicker, die zur Jubiläumslesung „20 Jahre Bibliothek Neunkirchen“ eingeladen worden waren. Bevor sie in einen unterhaltsamen Abend einstiegen, begrüßte Bürgermeister Dr. Bernhard Baumann die Gäste und gratulierte der Bibliothek zu ihrem 20-jährigen Bestehen. Bei seiner Begrüßung berichtete er von den Anfängen der Bibliothek bis hin zum erfolgten Umzug an den aktuellen Standort.

Deutschmann und Altwicker waren miteinander verabredet, um den Paartanz in dem Briefroman „I get a Bird“ vorzustellen. Mike Altwicker, Literaturkritiker und Buchhändler, hatte Fragen an Autor Deutschmann im Gepäck, um Entstehung, Ablauf und Hintergründe des Romans, in dem Anne von Canal die Co-Autorin ist, unter die Lupe zu nehmen.

Die Autorin Anne von Canal ist im Siegerland geboren. Ein Begriff ist ihre Familie im Zusammenhang mit der bekannten Villa Bubenzer in Freudenberg. Ihre Art zu schreiben berührt tief und es versetzt in Erstaunen, wie gut sie menschliche Empfindungen literarisch zum Ausdruck bringt. Nach einer akademischen Ausbildung arbeitete sie als Lektorin. Und zum Glück machte sie sich als Autorin, Lektorin und Übersetzerin selbständig. Sie errang einen großen Bekanntheitsgrad mit ihren Werken „Der Grund“ und „White out“.

Das künstlerische Wirken von Heikko Deutschmann umfasst Theaterarbeit, Film und Fernsehen, die Tätigkeit als beliebter Hörbuchsprecher und Autorentätigkeiten als Drehbuchautor und Mitverfasser des Romans „I get a Bird“.

Mike Altwicker übernahm mit seinen Fragen die Moderation für diesen Abend. Er führte mit Sachkenntnis und Erfahrung im Buchwesen durch diesen Abend. Diese Lesung spiegelte wider, wie hervorragend die Zusammenarbeit dieser hochkarätigen Personen ist. Was sie alle drei gemeinsam auszeichnet, ist die menschliche Wärme und die gesellschaftliche Teilhabe – eine gute Mischung, um positive Werte weiterzugeben.
Der einzigartige Briefroman, der von zwei Personen geschrieben wurde, ist ein Experiment, um nicht zu sagen: ein neues Genre. Das Experiment begann, als Anne von Canal und Heikko Deutschmann beschlossen, einen gegenseitigen Briefwechsel zu beginnen, ohne ein Thema abzusprechen. „Wer sollte anfangen?“, fragte Herr Altwicker. „Wir werfen eine Münze!“, wurde beschlossen. Das Glück, den ersten Brief zu schreiben, hatte Heikko Deutschmann. Von Canal hatte die nicht so leichte Aufgabe, auf diesen Brief zu antworten. Lediglich vereinbart war, dass eine Figur etwas verliert und der andere es findet. Damit wurde ein Grund konstruiert, um überhaupt in der aktuellen Zeit einen „Brief“ zu schreiben. Heikko ist im Buch übrigens Johan und Anne ist Jana.

Auch die Begegnung zwischen den Künstlern und dem Publikum gestaltete sich wertvoll und unterhaltend. Während des Programms hätte man eine Stecknadel zu Boden fallen hören, so interessiert verfolgten die Gäste das Vorlesen mehrerer Kapitel und so aufschlussreich ergänzten die Fragen und Antworten den künstlerischen Prozess, der einen wahren Strauß an Erkenntnissen entfaltete. Durch die lebendige Konversation zwischen den beiden Vortragenden ergaben sich weitere Einsichten, die dieser Roman bietet. Jeder ist sein eigenes Universum und die Summe seiner Erlebnisse: Kindheit, Familie, Entscheidungen, Erlebnisse, Freunde und Feinde.

All dies beschränkt den Horizont. Bekannt ist, das Reden hilft. Und diese Zeit und Gelegenheit zu reden findet in den Briefen mit zögerlichen Annäherungen, mitreißenden Bekenntnissen und lebenswichtiger Vertrautheit statt. Damit hat die Beziehung zwischen Jana und Johan eine Basis. Dann kommt Butter bei die Fische: Es wird beschrieben und ausgepackt. Und nachdem beide sich aus dem Leben zurückgezogen hatten, erlebt der Leser auf einmal ein leichtes und bezauberndes Ende.

Persönlichkeit, private Gedanken und persönliche Erlebnisse mussten in diesen Briefroman einfließen. Nach zwei Jahren war klar: Die Geschichte mit Jana und Johan ist beendet. Und erst dann, beim gemeinsamen Lesen der Briefe reift eine Idee. Könnte das ein Roman werden?
Zu Glück wurde es ein Roman!

Die Bibliothek Neunkirchen bietet mehrere Ausgaben zur Ausleihe an.

Die Veranstaltung wurde von der Sparkasse Burbach-Neunkirchen finanziell unterstützt.

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