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Datum: 26.02.2021

Tragfähige Hilfe vor Ort

Neunkirchen ist Teil des Bundesprogramms „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“

In Deutschland leben derzeit etwa 1,6 Millionen Menschen mit einer Demenz. Somit ist jede 25. Familie von der Demenz-Erkrankung eines Angehörigen betroffen. Demografisch bedingt könnte die Zahl der Erkrankten bis zum Jahr 2050 auf 2,8 Millionen ansteigen: Eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft.

Je weiter eine demenzielle Veränderung fortschreitet, umso mehr Unterstützung benötigt die betroffene Person im Alltag. Damit der Demenz-Erkrankte möglichst lange aktiver Teil der Gesellschaft bleiben kann, brauchen dessen Angehörige neben umfangreichen Informationen insbesondere emotionale Entlastung und vielfältige soziale Unterstützung. Nur so führen Fürsorge und Pflege nicht irgendwann zur Überforderung. Wichtig ist dabei, dass die Unterstützungsstrukturen vor Ort benötigt werden, dort, wo die Menschen leben.

Um die Verbreitung solcher Hilfsnetzwerke zu unterstützen, hat das Bundesministerium für Familie, Frauen und Jugend (BMFSFJ) das Bundesprogramm „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“ ins Leben gerufen. Die Gemeinde Neunkirchen wurde in der aktuellen Förderwelle in das Bundesprogramm für die kommenden drei Jahre aufgenommen. Unter dem Projektnamen „Neunkirchener Allianzen für Menschen mit Demenz (Neunkirchen/Siegerland)“ haben sich neben der Senioren-Service-Stelle der Heimatverein Zeppenfeld, der Verein Hand in Hand Neunkirchen e.V., die evangelische Kirchengemeinde Neunkirchen und der DRK Ortsverein zusammengeschlossen. Mit der Stabilisierung und Ausweitung des Netzwerks der lokalen Akteure in der Seniorenarbeit soll eine bessere Integration demenzerkrankter Menschen in das Alltagsleben gefördert werden.

„Wir möchten vermeiden, dass sich erkrankte Menschen zurückziehen“, erklärt Seniorenberaterin Bettina Großhaus-Lutz. „Der Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben hat neben den Symptomen der Demenzerkrankung, auch noch die Vereinsamung des Betroffenen und seiner Angehörigen zur Folge.“ Stattdessen sollen mit dem Projekt “Neunkirchener Allianzen für Menschen mit Demenz (Neunkirchen/Siegerland)“ das bestehende Netzwerk ausgedehnt, die Lebenssituation von Demenzkranken und ihren An- und Zugehörigen optimiert werden. „Der Schwerpunkt liegt auf der Entlastung und Unterstützung der Betroffenen. Künftig möchten wir unseren Blick aber auch auf die Teilhabe an gemeinsamen Veranstaltungen im Freizeit- und Kulturbereich richten“, so Großhaus-Lutz.

Im Vorfeld der bereits geplanten Projekte, sollen die Netzwerkpartner zunächst die Bedarfe und Belastungen der von Demenz betroffenen Menschen und deren Umfeld abgefragt werden. Diese Befragung erfolgt in Anlehnung an den Fragebogen zur Angehörigenresilienz und -Belastung (Farbe-DEM). Aus den Ergebnissen werden einzelne Arbeitspakete entwickelt, die sich an den Bedarfen der Zielgruppe orientieren. Geplant sind u.a. ein Demenzcafé, geführte Wanderungen sowie Theater- und Konzertbesuche für Menschen mit und ohne Demenz. Unter dem Titel „Es war einmal“ sollen zur Erinnerungspflege Nachmittage mit Filmen und Bilddokumenten aus dem Siegerland angeboten werden. Nicht zuletzt ist „Mach mal P.A.u.s.e.“ (Pflegende Angehörige unterstützen, stärken, entlasten) ein wichtiger Baustein. Die jährlich stattfinden Veranstaltung bietet Angehörigen und Interessierten Jahr für Jahr informative Vorträge und eine wichtige Plattform für alle Anbieter in der Versorgung und Betreuung von den an Demenz erkrankten Menschen und deren An- und Zugehörigen.

Die Angebote sollen nach und nach organisiert werden und möglichst vielen Menschen mit und ohne Demenz nahe gebracht werden. „Sollte die vorausgehende Befragung zu zusätzlichen Veranstaltungswünschen führen, werden die Allianzpartnern prüfen, ob sie Möglichkeiten finden, diese vor Ort anzubieten“, verspricht Bürgermeister Dr. Bernhard Baumann.

Bei allen Angeboten soll das Thema Demenz zwar anwesend, nicht aber dominierend sein. „Nur so kann die Integration des Themas in das gesellschaftliche Leben gelingen“, weiß der Verwaltungschef. Ziel ist es, einer Ausgrenzung der Betroffenen entgegenzuwirken, gleichzeitig aber die Aufmerksamkeit der nicht Betroffenen zu schärfen.

Der Beginn, der geplanten Veranstaltungen steht in direkter Abhängigkeit zur Pandemie Situation. „Sobald eine risikolose Durchführung möglich ist, wird die konkrete Planung beginnen“, stellen die Verantwortlichen in Aussicht.

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