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07.11.2019

Dorfmittelpunkt erstrahlt in neuem Glanz

Historische Kapellenschule erhielt Fassaden-„Lifting“

Sanierung Kapellenschule

Um die neu eingesetzten Holzbalken anzugleichen und „auf alt zu trimmen“, wurden sie u.a. mit der Schleifhexe bearbeitet.

Wenn sie Geschichten erzählen könnte, bräuchte man vermutlich viel Zeit, um der Kapellenschule zu lauschen. Die jüngste Geschichte wäre der Neuaufbau der Bausubstanz an der Nord- und Ostseite des Gebäudes, die unlängst von einem Spezialunternehmen durchgeführt wurde. Doch das alte Schulhaus blickt noch auf viele weitere Ereignisse zurück:

Im Jahr 1759 wurde das Gebäude errichtet, um die Wiedersteiner Kinder zu beschulen. Dass hier fast zweihundert Jahre lang Lesen, Schreiben und Rechnen vermittelt werden würden, ahnte damals noch niemand. Neben den Schülern fand in der Schule zunächst allerdings nicht der Lehrer, wohl aber der Kuhhirte eine kleine Unterkunft mit Küche, Wohn- und Schlafraum. Und im Stall standen noch bis 1834 der Dorfbulle und die übrigen Rinder des Hirten.

Die Situation im Unterricht wird seinerzeit noch eine völlig andere gewesen sein als heute. Zum einen wurden die Kinder sämtlicher Jahrgänge in einem Raum unterrichtet. Zum anderen waren die Erziehungsmethoden einst noch von harten Strafen und körperlicher Züchtigung geprägt. Wenn der kleine Fritz das 1x1 nicht beherrschte ging es nicht darum, dass er kein Fleißbildchen oder Marienkäferstempelchen bekam, sondern eher wie viele Stockschläge.

1878 wurde in dem Schulhaus der Jünglingsverein Wiederstein (heute CVJM) gegründet, sieben Jahre später eine Schulbücherei aufgebaut. Im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg fand in der Kapellenschule außerdem die Schulspeisung  statt. 1953 zog der Schulbetrieb nach fast zweihundert Jahren in das heutige Dorfgemeinschaftshaus in der Mischenbachstraße um. Insgesamt 29 Lehrer hatten bis dahin zahlreiche Generationen mehr oder weniger begabter Schüler unterrichtet.

Die Räume der Kapellenschule wurden zunächst in Wohnungen umgewandelt. Ende der 1980er Jahre begann der Heimat- und Verschönerungsverein Wiederstein damit, eine Heimatstube einzurichten. Gebrauchsgegenständen des dörflichen Lebens, aus Landwirtschaft, Hauberg, Bergbau, Haushalt und Handwerk wurden hier gesammelt und ausgestellt.

2000 ergab sich für die Heimatfreunde die Möglichkeit, das gesamte Gebäude zu nutzen. Mit dem Ziel, den geschichtsträchtigen Ort in der Dorfmitte als Zeitzeugnis zu erhalten und außerdem in einen Treffpunkt umzuwandeln, machten sich die aktiven Mitglieder ans Werk: Sie sanierten und restaurierten das historische Gebäude: Marode Balken wurden ausgetauscht, der Putz entfernt, neue Fenster eingesetzt. Im Inneren wurden u.a. eine Zwischendecke und das Gros der Fußböden erneuert. Die Türrahmen wurden aufgearbeitet und neu lackiert. Seit dem finden in der Kapellenschule die Treffen des Heimatvereins statt. Der Versammlungsraum steht für Veranstaltungen zur Verfügung. Im ehemaligen Klassenraum ist eine umfangreiche Ausstellung historischer Objekte zu finden. Sie reicht von den verschiedensten Werkzeugen und Gebrauchsgegenständen bis zu Möbeln aus vergangener Zeit. 

Da der Zahn der Zeit nach wie vor an dem Haus in der Langenholzstraße nagt,  ließ die Gemeindeverwaltung, in deren Besitz sich die Kapellenschule nach wie vor befindet, nun zahlreiche erforderliche Arbeiten durch ein Fachunternehmen durchführen. Allem voran musste eine tragende Schwelle ausgetauscht werden. An mehreren alten Balken hatte der Holzwurm Gefallen gefunden. Um einen Überblick zu bekommen, wurde zunächst das freiliegende Fachwerk gestrahlt. Die Schadstellen an den alten Eichenholzbalken konnten auf diese Weise lokalisiert und beseitigt werden.

Um das unter Denkmalschutz stehende Gebäude möglichst originalgetreu zu restaurieren, arbeiteten die Zimmermänner mit Holzstopfen, -nägeln und –dübeln.  Und um den „antiken Look“ beizubehalten, wurden die neu eingesetzten Balken mit Kettensäge, Flex und einer Drahtbürste bearbeitet. Wenngleich das Holz erst fünf Jahre abgelagert war, erweckt das Fachwerk aus Eiche jetzt den Eindruck, als hätte es ein Jahrhundert auf dem Buckel. Außerdem bediente man sich an einigen Stellen der noch intakten Abschnitte des zuvor entfernten Balkens und recycelte quasi am Gebäude.

Neben Holzbalken und -segmenten wurden auch einige der Gefache erneuert. Sie waren nass und dadurch marode geworden. Auch hier griff man auf historische (und wieder in Mode gekommene) Baustoffe zurück: Neben Lehmziegeln verwendeten die Maurer einen Putz aus Lehm, Stroh und Wasser. Er zeichnet sich durch eine gute Verarbeitung aus und trocknet langsamer als herkömmlicher Zementputz.

Nach Abschluss dieser Arbeiten wurden die Gefache neu gestrichen. Und auch das Gebälk wurde mit Leinöl behandelt. Trotz seines Alters von 260 Jahren kann sich das schmucke Schulgebäude jetzt wieder sehen lassen. Und wer weiß, welche Geschichten die Zukunft noch bereithält.

Dank des Denkmalförderprogramms werden 50 Prozent der Kosten vom Land NRW übernommen.

Ansprechpartnerin
Nicole Morgenschweis
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