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24.01.2020

Mit einem Klick in der Vergangenheit

Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen digitalisiert Exponate der Ostdeutschen Heimatstube

Ostdeutsche Heimatstube

Fachsimpeln gehört mit dazu. Norbert Gorlt (Bund der Vertriebenen – Ortsgruppe Neunkirchen) zeichnet für die Ostdeutsche Heimatstube verantwortlich. Gemeinsam mit Elke Wilming von der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen wählt er aus dem großen Angebot jene Objekte aus, die anschließend fotografiert und so für den Internetnutzer zugänglich gemacht werden sollen.

Seit 1976 existiert in Neunkirchen, unmittelbar neben dem Museum des Freien Grundes am Leyhof, die Ostdeutsche Heimatstube. Rund 1000 Relikte sind hier auf 150 m2 ausgestellt, alles Erinnerungsstücke jener Menschen, die zwischen 1944 und 1950 aus ihrer Heimat flüchten mussten. Aus Schlesien, Ostpreußen und Pommern kommend, packten sie für die Flucht Richtung Westen ein, was sie benötigten und was ihnen am Herzen lag.

Heute zeichnet der Bund der Vertriebenen (BdV) Ortsgruppe Freier Grund verantwortlich für das Museum, in dem sich diese Zeitzeugnisse befinden. Die Vielfalt ist groß, außergewöhnliche Exponate werden hier präsentiert. Die Heimatstube ist, auch weil sie sich nicht auf ein Herkunftsgebiet beschränkt, in der Region die größte ihrer Art. Norbert Gorlt betreut die Räumlichkeit, die in zwei großen Ausstellungsräumen einen Überblick über die Lebens- und Arbeitswelt in den ehemaligen deutschen Ostgebieten gibt. Trachten und Geschirr, Klöppelspitze und Kunsthandwerk, Bücher und Kartenmaterial gibt es hier zu sehen.

Der kulturhistorischen Bedeutung ist sich insbesondere die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen bewusst: Um den Heimatstuben und -museen eine gesteigerte Zugänglichkeit sowie eine verbesserte Breitenwirkung zu ermöglichen, wird derzeit das Projekt „Virtuelle Heimatsammlungen in Nordrhein-Westfalen“ durchgeführt. Hierbei geht es um die digitale Erfassung der Exponate und deren virtuelle Präsentation, heißt: Landesweit werden mehr als ein Dutzend Einrichtungen besucht, um die außergewöhnlichsten Objekte sowie die Räumlichkeiten vor Ort zu fotografieren, digital aufzubereiten und später auf eine speziellen Homepage im Internet zu präsentieren.

Im die Voraussetzungen dafür zu schaffen, waren jetzt Elke Wilming und der IT-Fachmann der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen vor Ort. Gemeinsam mit Norbert Gorlt wählte Wilming mehr als 50 charakteristische Exponate aus, um sie mit einem speziellen Verfahren so abzulichten, dass sie später im Internet um 360° bewegt, also rundherum angeschaut werden können. Außerdem entstanden Fotografien von den Räumlichkeiten der Heimatstube, in denen sich der Internetnutzer später wie in einem Raum bewegen kann. Insgesamt drei Tage war das Team mit Auswählen und Fotografieren beschäftigt.

Norbert Gorlt freut sich über das Interesse der Kulturstiftung: „Die Digitalisierung der Objekte ermöglicht auch den Menschen, die nicht vor Ort leben einen barrierefreien Zugang in unser Museum. Oft sind es ältere Menschen, für die die Ausstellungsstücke einen besonderen Wert darstellen, sie erhalten durch das Internet die Möglichkeit, die Heimatstube von zu Hause aus zu besichtigen.“ So entfallen nicht nur (lange) Anfahrtswege, auch Öffnungszeiten spielen künftig keine Rolle mehr: „In einer virtuellen Sammlung kann man sich die Zeit nehmen, die man möchte und dabei die digitalen Exponate ganz entspannt betrachten“, ergänzt Elke Wilming.

Im Vorfeld des Besuchs durch die Mitarbeiter der Kulturstiftung musste Norbert Gorlt allerdings seine Hausaufgaben machen: Für die wichtigsten Exponate galt es einen umfangreichen Fragebogen auszufüllen. Neben Material, Größe und Alter soll auch erzählt werden, woher das Objekt stammt und wie es ins in die Sammlung kam. Diese Hintergrundinfos können später im Internet abgerufen werden. Auch Fakten zu den jeweiligen Sammlungen, zu deren regionalen Hintergründen, ihrer (Entstehungs)Geschichte und Besonderheiten werden online verfügbar sein.

Das Projekt „Virtuelle Heimatsammlungen“ wird durch Mittel des Landes Nordrhein-Westfalen, genauer des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft, gefördert. Professionell und attraktiv gestaltet, hat die Internetseite das Potential, einen wichtigen Beitrag zur Pflege und Weiterentwicklung der Erinnerungskultur der Vertriebenen und Spätaussiedler zu leisten und so eine Zukunftsperspektive zu eröffnen, die mit Nachhaltigkeit gewährleistenden Mitteln erfolgt. Außerdem können die traditionsreichen Einrichtungen auf diese Weise auch einem jüngeren Nutzerkreis erschlossen werden. Die Seite wird Mitte des Jahres 2020 Online gehen.

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