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Datum: 05.11.2026

"Mitgenommen - Heimat in Dingen"

Wanderausstellung zu Gast in der Ostdeutschen Heimatstube

Eine Fotografie, ein Buch, einige Kleidungsstücke, ein Kuscheltier – es ist nicht viel, was die Menschen in ihren Koffer oder Rucksack packen konnten, ehe sie die Wohnungs- oder Haustür hinter sich abschließen und den Weg Richtung Westen antreten mussten. Von ihnen, von den Schicksalen Geflüchteter und Vertriebener, erzählt die Ausstellung „Mitgenommen – Heimat in Dingen“, die derzeit täglich von 14 bis 16 Uhr in der Ostdeutschen Heimatstube in Neunkirchen zu sehen ist.
Um nicht getötet oder in ein Arbeitslager verschleppt zu werden, blieb vor allem Deutschen aus Schlesien, Ostpreußen und Pommern, aber auch aus anderen besetzten Gebieten wie dem Sudetenland oder Siebenbürgen in Folge des Zweiten Weltkriegs nur die Flucht aus ihrer Heimat. Rund 14 Millionen Menschen mussten ihr Hab und Gut zurücklassen. Parallel dazu gab es Deutsche, die nach 1945 etwa aus Polen, Rumänien, Ungarn oder der Sowjetunion in die Bundesrepublik Deutschland oder die DDR übersiedelten, oft unter schwierigen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen.

Ihrem Schicksal widmet sich seit 1976 die Ostdeutsche Heimatstube am Leyhof 2, unmittelbar neben dem Heimatmuseum Neunkirchen. Auf 150 m2 sind rund 1000 Relikte von Menschen zu sehen, die zwischen 1944 und 1950 aus ihrer Heimat flüchten mussten.

Die Ausstellungsräume beherbergen viele Informationen über die Arbeitswelt in den ehemaligen deutschen Ostgebieten. So werden mit Fischerei, Landwirtschaft, Weberei oder Bernsteingewinnung und -verarbeitung die klassischen Berufsfelder beleuchtet. Hinzu kommen Gegenstände des täglichen Lebens. Trachten, Geschirr, Klöppelspitze, Kunsthandwerk, Büchern und Kartenmaterial sind hier ausgestellt und ermöglichen den Besuchern, sich auch Jahrzehnte nach der Zwangsmigration ein anschauliches Bild zu machen. Portraits von berühmten Persönlichkeiten aus Schlesien, Ostpreußen oder Pommern runden das breite Spektrum ab, dass die Ostdeutsche Heimatstube zur größten ihrer Art in der Region macht.

Noch bis zum 12. November beherbergt die Sammlung zudem die Wanderausstellung „Mitgenommen – Heimat in Dingen“ ansehen. 17 Roll-Ups dokumentieren die Geschichte von Flucht, Vertreibung und Deportation der Deutschen aus dem europäischen Osten anhand von Gegenständen, die für die Flüchtlinge vor allem ideellen Wert hatten. Anhand eines Teddybären aus dem Rucksack eines kleinen Mädchens oder einem Schachbrett aus dem Ghetto in Theresienstadt werden beispielhaft persönliche Schicksale aufgezeigt.

„Die Wanderausstellung wurde vom Haus des deutschen Ostens in München konzipiert und wir freuen uns, dass sie aktuell Halt in Neunkirchen macht“, erklärt Norbert Gorlt, der erste Vorsitzende des Bund der Vertriebenen (BdV) Ortsgruppe Freier Grund. Als Sohn von Eltern, die aus Schlesien bzw. dem Sudetenland stammen, beschäftigt sich Norbert Gorlt seit vielen Jahren mit dem Schicksal der Geflüchteten. Er möchte die Geschichte „über die Zeit retten“ und die Erinnerungskultur lebendig halten, „auch dann, wenn die Zahl der Zeitzeugen immer geringer wird.“

Die Wanderausstellung wird ergänzt durch Informationen über das Vertriebenenlager Wellersberg, das 1946 in ein Flüchtlingslager mit 1.500 Plätzen umgebaut wurde. Mehr als 300.000 Heimkehrer, Vertriebene, Flüchtlinge und Obdachlose wurden bis zu dessen Schließung Ende Oktober 1951 dort aufgenommen. Zur Eröffnung des Lagers vor 80 und dessen Schließung vor 75 Jahren veranstaltet der Kreisverband des BdV Siegen in Kooperation mit dem Haus des Deutschen Ostens und dem Kreis Siegen-Wittgenstein am 14. November, 13 Uhr, zudem eine Gedenkveranstaltung im Atriumsaal der Siegerlandhalle, zu der alle Interessierten eingeladen sind.

Um die Ostdeutsche Heimatstube attraktiver und auch für junge Menschen ein ansprechendes Angebot vorzuhalten, soll die Ausstellung perspektivisch digitaler werden. Dazu sucht Norbert Gorlt derzeit Möglichkeiten zur Förderung. „Die Bedrohungen durch Krieg, Gewalt und Verfolgung sind in den vergangenen Jahren nicht weniger geworden“, so der erste Vorsitzende des BdV Neunkirchen. „Auch wenn seit der Vertreibung viele Jahrzehnte vergangen sind und die Rahmenbedingungen heute andere sind, dieses Stück der deutschen Geschichte verdient es, nicht vergessen zu werden.“

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