Freibad wird zum Freuchtbiotiop
Abrissarbeiten starteten vergangene Woche
Dort, wo sich in den Sommermonaten einst Wassernixen und Sonnenanbeter tummelten, sollen in den nächsten Jahren Amphibien, Reptilien, Insekten und viele verschiedene (Wasser)Pflanzen ein neues Zuhause finden: Das ehemalige Freibad in Altenseelbach wird in ein artenreiches Feuchtbiotop umgestaltet.
Nachdem der Badebetrieb 2012 eingestellt worden war, hatte sich die Natur die Schwimmstätte sukzessive zurückgeholt. Birken und junge Weiden waren auf dem Grund des Beckens herangewachsen; das Freibad wurde zu einem „lost place“. Angesichts der schönen landschaftlichen Lage und des hohen Erholungspotenzials stand für die Altenseelbacher jedoch immer außer Frage, das Gelände ökologisch sinnvoll zu nutzen.
Im Rahmen der Ortsteilgespräche wurde neben vielen anderen Entwicklungsideen auch die Verwandlung in ein Biotop thematisiert. Die FDP-Fraktion griff diesen Gedanken auf und stellte im vergangenen Jahr den Antrag, das Areal zu renaturieren: Aus dem Schwimmbecken soll ein Naturweiher mit einer ihn umgebenden Feuchtwiese werden. Der Seelbach, der seinerzeit das Naturfreibad speiste, erhält einen neuen Nebenarm, um das Feuchtbiotop mit Wasser zu versorgen.
So soll im Laufe der nächsten Jahre dort, wo einst geplantscht und geschwommen wurde, ein naturnaher, sich selbst entwickelnder großer „NaturOrt“ entstehen, an dem sich eine ganz spezifische Fauna und Flora ansiedelt. Matthias Jung erwartet mittelfristig die Einwanderung von Molchen, Erdkröten und Grasfröschen. „Als erstes werden neue Pflanzen verschiedene Insekten nach sich ziehen. Diese wiederum locken Vögel und Amphibien an“, so der Umwelt- und Klimaschutzberater.
Bevor die Natur hier Einzug halten kann, musste schweres Gerät anrücken: Um die Betonfundamente zu bergen, wird gebaggert und gestemmt. „Die Abrissarbeiten werden noch in diesem Jahr abgeschlossen“, erklärt der Leiter des zuständigen Fachbereichs, Michael Hester. Die Gesamtrenaturierung startet dann auf der Grundlage der von Diplom-Ingenieur Ulrich Krumm aufgestellten Fachplanung mit den Hauptprojektbausteinen der Anlage - dem 1.200 Quadratmeter großen Feuchtbiotop, der Teilrenaturierung des Seelbaches, der Neuanlegung eines Seelbach-Nebenarmes und den Initialpflanzungen - im kommenden Frühjahr.
Bürgermeister Marco Schwunk war zum Start der Abrissarbeiten „hinter den Tunnel“ gekommen. Ihn freut nicht nur, dass am Ende der Breitelbachstraße ein artenreiches Kleinod entstehen wird, sondern auch, dass die Kosten des gesamten Projekts vom Kreis Siegen-Wittgenstein getragen werden, mit dem das Gestaltungskonzept im Vorfeld abgesprochen wurde. Möglich ist die Kostenübernahme dank des sogenannten Ersatzgeldes: „Es wird erhoben, wenn Eingriffe in Natur und Landschaft nicht zu vermeiden sind und zugleich nicht ausgeglichen oder ersetzt werden können, beispielsweise durch den Bau von Windrädern“, erklärt der Verwaltungschef.
Dass das Ersatzgeld ausschließlich in Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege fließen darf, macht sich die Gemeindeverwaltung nun zu eigen. „Auf diese Weise sind wir trotz der anspannten kommunalen Finanzlage handlungsfähig“, betont Marco Schwunk.