Mit Verstand und Verständnis
Mit Verstand und Verständnis
Der Borkenkäferbefall der letzten Jahre hat dazu geführt, dass im Gemeindegebiet noch immer zahlreiche Fichten stehen, die gefällt werden müssen. Um der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen und niemanden zu gefährden, werden die Bereiche, in denen die Waldarbeiter mit Kettensäge, Holzernter und LKW unterwegs sind, großräumig abgesperrt. Doch diese Maßnahmen stoßen nicht immer auf Begeisterung bei den Waldbesuchern.
Die Absperrungen mancher Waldwege beeinträchtigen Spaziergänger, Wanderer, Radfahrer oder Jogger, sind aber nicht zu vermeiden. „Schließlich dienen sie dem Schutz der Waldbesucher“, erklärt Klaus Joerißen. Als Haubergvorsteher der Genossenschaft Salchendorf, weiß er wovon er spricht. Aktuell werden Rodungsarbeiten am Bähnchen in Salchendorf durchgeführt. Auch in dem Bereich zwischen Leykopf und Kopernikusring werden Bäume gefällt und Holz verladen.
Dank der Asphaltdecke und der ebenen Wegführung ist das Bähnchen nicht nur beliebte Joggingstrecke: Der Weg oberhalb des Familienbades auch bei älteren Menschen beliebt. Selbst mit Rollator oder Rollstuhl lässt sich hier die Natur genießen. Die Abholzungsarbeiten werden dort jedoch noch bis Ende des Jahres andauern. „Wir appellieren an die Bürgerinnen und Bürger. Es ist wichtig, dass sie sich an die Vorgaben halten“, spricht Joerißen auch für die Försterin und die übrigen Haubergsvorsteher der Gemeinde. „Wer die Absperrung überschreitet, bringt sich in akute Lebensgefahr“, mahnt der Neunkirchener.
Die bis zu 40 Meter hohen Fichten werden von Profis gefällt, die ihre Arbeit gewissenhaft durchführen. Dennoch kann der Aufenthalt im Wald gefährlich werden. Niemand möchte von einem umstürzenden Baum begraben werden. Hinzu kommen Risiken, die auf den ersten Blick nicht gleich ersichtlich sind: Auch angebrochene Ast- oder Kronenteile, die plötzlich herunterfallen, können tödlich sein. Große Banner, die quer über die Wege gespannt werden, sollen Schlimmeres verhindern.
„Uns geht es nicht darum, den Menschen ihren Sonntagsspaziergang oder den Sport im Wald zu verwehren, uns geht es darum, sie zu schützen.“ Außerdem wirbt Joerißen für mehr Verständnis: „Derzeit ist viel schweres Gerät im Wald unterwegs. Viele Wege sind zerfahren.“ Um Schlammschlachten zu vermeiden, bieten sich festes Schuhwerk oder Gummistiefel, bei dem Besuch im Wald an. Aber auch ein wenig Gelassenheit könnte hilfreich sein: Immer wieder werden Waldarbeiter und LKW-Fahrer bei ihren Tätigkeiten verbal angegangen oder gar behindert. Dass die Baumfällarbeiten notwendige Maßnahmen sind, scheint manchen Bürger*innen nicht klar zu sein. „Natürlich ist der Wald für uns alle da, die Arbeiten dulden aber keinen Aufschub.“
Das Netz an Wander- und Spazierwegen in Neunkirchen ist groß. Vielleicht hilft den Waldsportlern eine vorübergehende Alternativrouten zum Biken, Laufen oder Reiten. Wer am liebsten auf seiner „Hausstrecke“ unterwegs ist, muss sich unter Umständen noch eine Weile gedulden. Aber auch hier ist irgendwann der letzte Baum gefällt und die letzte Fichte abgefahren.