Bittere Orangen
Auf Einladung der Steuerungsgruppe Fairtrade-Town Neunkirchen und unterstützt von VAKS e.V, dem Eine-Welt-Forum Siegen-Wittgenstein sowie Engagement Global gGmbH referiert Prof. Gilles Reckinger am Mittwoch, 13. November 2024, um 18:30 Uhr, im Otto-Reiffenrath-Haus über die Zusammenhänge zwischen Grenzabschottung und prekarisierter Arbeit insbesondere auf den Orangen- und Gemüseanbau in Süditalien.
Reckinger forscht zur Macht der Zitrusindustrie und den Arbeits- und Lebensbedingungen der Erntehelfer u.a. in Italien, denen er in vielen Gesprächen nahegekommen ist. Viele von ihnen sind Geflüchtete aus afrikanischen Ländern, die über Lampedusa nach Europa und dann nie mehr aus Italien wegkamen. Während der Asylverfahren stehen Geflüchtete in Italien buchstäblich auf der Straße – ohne Papiere und ohne Rechte. Die nahen Plantagen sind oft ihre einzige Chance auf einen Job. „Verachtet von der Bevölkerung, untergebracht in Slums aus Zelten und Containern und fern jeder medizinischen Versorgung pflücken viele der Geflüchtete 12 Stunden am Tag Orangen“, erklärt Reckinger.
Im Anschluss an den Vortrag besteht die Möglichkeit für Rückfragen zur Kampagne „Faire Orangen aus Süditalien“ und zur Diskussion. Der Eintritt ist frei!
Prof. Dr. Gilles Reckinger studierte Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie und Soziologie in Graz, Genf, Quebec und Montreal und promovierte 2009 in Graz mit dem Arbeitsschwerpunkt Migration und Prekarität in europäischen Grenzregionen. Dozent war er an verschiedenen Universitäten in Österreich, der Schweiz, Deutschland und Luxemburg. Seit 2013 hat er eine Professur für interkulturelle Kommunikation- und Risikoforschung an der LFU Innsbruck. 2018 übernahm er die Leitung des „Institut supérieur de l’économie“ in Luxemburg. Sein Buch „Lampedusa“ (Peter Hammer Verlag, 2013) erhielt den „Bruno Kreisky Preis für das politische Buch“ und stand auf der Shortlist für den „Opus Primum“ der Volkswagenstiftung. Gilles Reckinger lebt in Innsbruck und Esch-sur-Alzette/Luxemburg.