Liebe Bürgerinnen und Bürger, sehr geehrte Unternehmerinnen und Unternehmer,
die aktuelle Verkehrssituation in unserer Gemeinde belastet viele Menschen in ihrem Alltag erheblich. Die Geduld zahlreicher Bürgerinnen und Bürger, Berufspendlerinnen und Berufspendler sowie Unternehmen wird derzeit auf eine harte Probe gestellt. Lange Fahrzeiten, Staus und Umwege kosten Zeit, Nerven und im Fall vieler Betriebe auch bares Geld. Mir ist sehr bewusst, wie groß der Ärger darüber ist.
Viele von Ihnen haben sich in den vergangenen Tagen mit Beschwerden, Hinweisen und Sorgen an die Gemeindeverwaltung gewandt. Für diese Rückmeldungen danke ich Ihnen ausdrücklich. Wir stehen sachlichem Feedback offen gegenüber, weil es uns hilft, Belastungen besser einzuordnen und notwendige Verbesserungen schneller in den Blick zu nehmen. Kritik, die konkret, fair und lösungsorientiert formuliert wird, ist wichtig und berechtigt.
Gleichzeitig möchte ich offen ansprechen, dass auch unser eigener Informationsfluss in dieser Sache hätte noch besser sein können. So ist es uns beispielsweise nicht ausreichend gelungen, Änderungen in der Verkehrsführung – insbesondere die Umstellung auf eine einspurige Verkehrsführung im Bereich der Baustelle in Salchendorf – frühzeitig und klar genug zu kommunizieren. Das war nicht zufriedenstellend. Auch daraus ziehen wir Konsequenzen für die weitere Information der Öffentlichkeit.
Die derzeitigen Baustellen und Verkehrsführungen sind nicht kurzfristig oder ohne Abstimmung entstanden. Im Gegenteil: Die Planungen der verschiedenen Maßnahmen wurden bereits seit dem vergangenen Jahr unter Beteiligung der zuständigen Behörden aufeinander abgestimmt. Dabei wurden auch zeitliche Puffer eingeplant, um auf mögliche Verzögerungen reagieren zu können. Dennoch ist es nun zu Entwicklungen gekommen, die in dieser Form nicht vorhersehbar waren und die zu einer erheblichen Zuspitzung der Lage geführt haben.
Viele fragen zu Recht, warum eine Baustelle in einer solchen Situation nicht einfach gestoppt, verschoben oder kurzfristig aufgehoben werden kann. So nachvollziehbar dieser Wunsch ist, so klar muss leider gesagt werden: Aufgrund der geltenden rechtlichen und vertraglichen Rahmenbedingungen ist dies nicht ohne Weiteres möglich. Baustellen dieser Größenordnung werden langfristig geplant, ausgeschrieben und vergeben. Beauftragte Unternehmen können nicht ad hoc weggeschickt werden, nur weil sich die Rahmenbedingungen zwischenzeitlich verändert haben. Wer öffentliche Maßnahmen verantwortet, ist an gesetzliche Vorgaben, Vergabeverfahren, Bauabläufe und vertragliche Bindungen gebunden.
Das ändert aber nichts daran, dass wir die Belastungen sehr ernst nehmen. Die Gemeinde Neunkirchen arbeitet weiterhin mit Nachdruck an einer Entschärfung der angespannten Verkehrssituation im Gemeindegebiet und auf den Verbindungen in die Nachbarkommunen. Wir stehen in engem Austausch mit den zuständigen Behörden, um eine schnellstmögliche Verbesserung zu erreichen.
Ein zentrales Ziel dieser Gespräche war und ist eine frühere Öffnung der Strecke von Neunkirchen nach Siegen über die Schränke. Hier konnten wir inzwischen erreichen, dass die Strecke spätestens ab dem 20. Juni wieder in beide Fahrtrichtungen befahrbar sein soll. Das wäre eine spürbare Entlastung für viele Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer.
Auch an anderer Stelle wurde kurzfristig reagiert: An der Baustelle in Salchendorf am Kreisverkehr beim Familienbad wurde die Ampelschaltung angepasst. Nach den bisherigen Rückmeldungen wurde dadurch bereits eine Entschärfung der Verkehrssituation wahrgenommen. Gleichwohl bleibt die einspurige Verkehrsführung in diesem Bereich nach aktuellem Stand bis Ende des Jahres erforderlich. Hinzu kommt, dass die Wander-Baustelle in Wiederstein und Zeppenfeld noch bis Sommer 2027 andauern wird.
Bei allem verständlichen Ärger möchte ich aber auch um etwas bitten, das mir in diesen Tagen besonders wichtig ist: Sachlichkeit. Kritik, Hinweise und Beschwerden sind berechtigt und wichtig. Nicht akzeptabel sind jedoch persönliche Angriffe, Beleidigungen oder öffentliche Anprangerungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie leisten unter hohem Druck engagierte Arbeit und verdienen Respekt – auch dann, wenn man mit Entscheidungen oder Entwicklungen nicht einverstanden ist.
Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich die Stärke unserer Gemeinde. Neunkirchen hat oft bewiesen, dass wir Herausforderungen gemeinsam bewältigen können. Davon bin ich auch jetzt überzeugt.
Ich versichere Ihnen: Wir werden unsere Bemühungen fortsetzen, an Lösungen arbeiten und Sie weiterhin transparent informieren. Ich bitte Sie daher um Verständnis, Besonnenheit und Zusammenhalt.
Mit freundlichen Grüßen
Marco Schwunk
Bürgermeister der Gemeinde Neunkirchen